Iran
Was passiert im Iran?
2026 wird wohl als eines der ereignisreichsten Jahre in die jüngere Geschichte eingehen. Es geht Schlag auf Schlag. Venezuela, Grönland, Epstein, jetzt Iran. Der Kampf um die neue Weltordnung ist in vollem Gange und Amerika nutzt seinen noch bestehenden militärischen Vorsprung, solange es diesen noch hat, um die Claims der neuen multipolaren Weltordnung abzustecken.

Drei Fragen sind es dabei vor allem, die einer Antwort harren:
Warum kommt es zu diesem Konflikt und warum gerade jetzt?
Wie lange dauert dieser Krieg und wie wird er ausgehen?
Was bedeutet das für die Entwicklung und die Optionen bei der Kapitalanlage?
Frage 1 und Frage 3 sind dabei, wie wir gleich sehen werden, eng verknüpft, denn es sind strategische Überlegungen um das Finanzsystem, die bei den Konfliktursachen die Hauptrolle spielen.
1. Warum kommt es zu diesem Konflikt und warum gerade jetzt?
Dieser Konflikt hat mehrere Treiber, die zum Teil seit fast 50 Jahren wirken und er hat einen ökonomischen Treiber, ein geldpolitisches Schlachtfeld, das erst seit wenigen Jahren eröffnet wurde. Wir können sie wie folgt zusammenfassen:
a. Der Konflikt zwischen der Theokratie der Mullahs und den Vereinigten Staaten;
b. Der Konflikt zwischen der Theokratie und Israel;
c. Die Rolle des Petro-Dollars in der Auseinandersetzung zwischen den USA und den BRICS-Staaten als Hauptschlachtfeld der neuen Weltordnung.
a. Mullahs gegen die USA
Der in dieser Sache aufgestaute Hass geht auf die Politik der westlichen Großmächte, erst Großbritannien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und nach dem 2. Weltkrieg die USA zurück.
Die Briten hatten zunächst den Versuch unternommen, Iran unter ihre koloniale Kontrolle zu bekommen und waren dabei nicht zimperlich. Im Zuge des ersten Weltkriegs okkupierten osmanische, russische und britische Truppen das neutrale Land und beschlagnahmten die Lebensmittel für ihre Armeen. Die Schätzungen der Todeszahlen durch die folgende Hungersnot schwanken zwischen 3 und 10 Millionen, was zwischen 15% und 50% der damaligen Gesamtbevölkerung betragen dürfte.
Die Unterschiede dieser Schätzungen ergaben sich einerseits durch Datenprobleme, andererseits durch die Frage der Todesursachen. Die Verharmloser dieses Genozids rechnen gerne die Folgetoten durch Krankheiten, Seuchen und ähnliches heraus, weil es ja keine direkten Hungertoten waren. Das erscheint mir als eine übel verharmlosende Augenwischerei für eines der größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts, für das aus Sicht der weit überwiegenden Mehrheit der Iraner die Briten die Hauptverantwortung trugen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde Großbritannien als im Mittleren Osten dominierende Weltmacht durch die USA abgelöst, die im Jahr 1953 die demokratisch gewählte Regierung von Mossadegh durch einen von der CIA organisierten Putsch stürzen ließen, um mit dem ihnen treu verbundenen Schah eine absolutistische Monarchie im Iran zu installieren. Grund hierfür war die angestrebte Kontrolle über das Öl.
Der Schah strebte eine schnelle Modernisierung des Iran nach westlichem Vorbild an was die Monarchie in einen Konflikt mit den konservativen religiösen Strömungen der im Iran vorherrschenden schiitischen Richtung des Islam brachte.
Die harte Hand der absolutistischen Herrschaft des Schahs führte dabei dazu, dass sich in den 70er Jahren nicht nur die konservativen Schiiten, sondern auch viele bürgerliche und sozialistisch orientierte Kräfte gegen den Schah stellten, was schließlich 1979 in der Iranischen Revolution gipfelte.
Ayatollah Khomeini gründete eine islamische Republik, die letztlich eine Herrschaft des Klerus beinhaltet und schaltete die vormals verbündeten liberalen Kräfte des Bürgertums wie auch die sozialistischen und kommunistischen Parteien mit brutalster Gewalt, Hinrichtungen und Verfolgung aus.
Khomeinis Hass auf die USA speiste sich vor allem aus der Tatsache, dass die schiitische Geistlichkeit über Jahrzehnte der Verfolgung und den Demütigungen des Schahs ausgesetzt war und die USA als dessen Schutzmacht fungierten. Wenige Wochen nach der Revolution stürmten radikale „Studenten“ mit offensichtlicher Billigung Khomeinis die US-Botschaft in Teheran und nahmen das gesamte diplomatische Personal für 444 Tage als Geiseln. Seitdem darf man die Beziehungen als final zerrüttet betrachten. Die Rache der USA bestand darin, Saddam Hussein aufzurüsten und zu einem acht Jahre dauernden äußerst brutalen, auch mit Giftgas geführten Krieg anzustacheln, der auf iranischer Seite nach Schätzungen 250 – 500.000 Tote forderte.
b. Mullahs gegen Israel
Der Schah stützte seine absolutistische Macht auf robuste Methoden. Unter anderem unterhielt er einen Inlandsgeheimdienst namens Savak, der nicht für Zimperlichkeit beim Umgang mit der Opposition bekannt war. Willkürliche Verhaftungen, Folter und extra-judizielle Tötungen (die Schätzungen reichen von 1.000 bis 10.000 über 25 Jahre, wobei diese hohe Zahl wohl eher Propaganda des Revolutionsregimes sein dürfte) machten ihn gefürchtet. Ausgebildet wurde er von Agenten der CIA und des israelischen Geheimdienstes Mossad.
Nach der Machtergreifung durch die Mullahs richtete sich der Hass der neuen Machthaber daher aus zwei Gründen gegen Israel: Aus islamisch-theologischer Sicht ist der ganze Staat Israel eine zu bekämpfende Fremdherrschaft auf dem Gebiet der Umma, der islamischen Glaubensgemeinschaft und mit der Ausbildung des Savak hatte man gewissermaßen noch eine „Rechnung offen“.
In dieser Feindschaft liegt der militärstrategische Hauptgrund für den Krieg. Das Mullah Regime förderte und finanzierte Terrororganisationen rund um Israel und auch auf der arabischen Halbinsel, um sie in Stellvertreterkriege gegen Israel zu schicken. Das betraf vor allem die Hamas im Gaza-streifen, die Hizbullah („Partei Gottes“) im Libanon und die Milizen der Huthi im Jemen, die regelmäßig Schiffe im roten Meer unter Beschuss nehmen.
Gleichzeitig verband man eine Rhetorik der Vernichtung Israels als quasi-Staatsziel des Iran mit einer kommunikativen Ambivalenz beim Thema Atomwaffen. Einerseits erließ Ayatollah Khamenei, der im Juni 1989 nach dem Tode Khomeinis oberster religiöser Führer wurde, eine Fatwa, ein religiöses Gelehrtenurteil gegen Atomwaffen, andererseits baute der Iran unermüdlich an der technischen Infrastruktur, um sich die Option zu verschaffen, in ihren Besitz zu kommen. Wie nah oder weit das Land hierbei gekommen ist, kann man ohne geheimdienstliche Informationen absolut nicht sagen. Sowohl die Stellungnahmen des Iran als auch die alarmis- tischen Meldungen aus Israel dienten dabei wohl kaum der Information der Öffentlichkeit, als vielmehr der Propaganda der jeweiligen Seite.
Aber ein Problem hat diese Politik für den Iran geschaffen:
Wenn man ständig die Vernichtung eines anderen Landes fordert und gleichzeitig durch den Bau von tief in der Erde verbunkerten Anlagen versucht, die Voraussetzungen für einen möglichen Erwerb von Atomwaffen zu schaffen, dann riskiert man, dass einem irgendwann geglaubt wird, dass man das ernst meint. Aus Sicht jeder israelischen Regierung stellt dies ein nicht kalkulierbares Risiko dar. Jeder israelische Premierminister verbringt aber 24 Stunden am Tag mit einem Gedanken im Kopf: „Wo droht ein neuer Holocaust auch nur als entfernte Möglichkeit und wie verhindere ich, dass sich eine solche Bedrohung materialisiert?“
Die Bedrohung muss dabei nicht real sein, es genügt, wenn sie eine Wahrscheinlichkeit hat, die von Null abweicht.
c. Der Petro-Dollar in der multipolaren Welt
Selbst der israelfreundlichste Präsident, den man sich für die USA vorstellen kann wird aber zögerlich sein, aufgrund der dem Amt des israelischen Ministerpräsidenten eingebauten Schutzparanoia in einen Krieg mit einer regionalen Großmacht zu ziehen, wenn dies nicht gleichzeitig die fundamentalen Interessen der USA berührt bzw. schützt.
Und diese Koinzidenz ist jetzt gegeben: Sie wurzelt in der aktuell stattfindenden Neuordnung der Welt im Übergang von einer unipolaren Weltordnung (also einer globalen Hegemonie der USA) zu einer multipolaren Weltordnung mit mehreren konkurrierenden Machtzentren. Die wesentlichen Player dieser Multipolarität sind die USA, Russland und China vertreten durch drei Personen mit großem Gestaltungswillen: Trump, Putin und Xi.
Das Tauziehen um die besten Plätze ist in vollem Gange, aber wir dürfen davon ausgehen, dass die drei Protagonisten, da sie alle drei kein Interesse an einem atomaren Weltkrieg haben die Grundlinien der künftigen geografischen Einflussgebiete bereits im Hinterzimmer abgesteckt haben. Liest man die die nationale Sicherheitsstrategie der USA vom November 2025, so schälen sich die Grundlinien deutlich heraus.

Die geografischen Einflussgebiete dürften dabei zwischen Putin, Xi und Trump bereits einvernehmlich geregelt worden sein. Der amerikanische Doppelkontinent ist Washingtons Spielplatz, einschließlich Grönland, von dem wir mit Sicherheit nicht das letzte Mal während Trumps Amtszeit gehört haben, die Ex-Sowjetunion ist Russlands Einflussgebiet (sehr schlechte Nachrichten für die Ukraine) und Ostasien und Teile des pazifischen Raums kommen unter Chinas Regionalhegemonie. Europa ist in diesem Szenario nicht mehr von Bedeutung.

Nun ist es zwar so, dass der Iran nicht im geografischen Fokus der USA liegt, jedoch im geldpolitischen Fokus bzw. im System der Weltleitwährung US-Dollar, die Präsident Trump mit Zähnen und Klauen verteidigen wird, um sie wenigstens noch einige kritische Jahre am Leben zu erhalten. Bereits vor seiner zweiten Wahl zum neuen Präsidenten sagte er am 5.9.2024 im „Economic Club“ in New York, dass der Verlust der Leitwährungsfunktion des US-Dollars gleichzusetzen sei mit einem verlorenen Krieg, ja sogar mit einem verlorenen großen Krieg.
Um das nachzuvollziehen, muss man die kritische Rolle verstehen, die die Leitwährungsfunktion des US-Dollars bei der Finanzierung des US-Militärs und der US-Geheimdienste spielt: Seit der Abschaffung der Goldbindung des US-Dollars am 15. August 1971 durch Präsident Nixon (Spitzname:„Tricky Dick“) ist der US-Dollar nur noch eine Papierwährung, von der die FED so viel drucken kann wie sie will und das macht sie auch. Das Erbe des bis 1971 gültigen Goldstandards war, dass der Welthandel weitgehend in US-Dollar abgewickelt wird, die USA also beliebig hohe Defizite im Außenhandel ansammeln und diese mit frisch gedruckten Dollars bezahlen konnten. Das ständige Nachdrucken ermöglichte Jahr um Jahr mehr Importe als Exporte und die ständige Entwertung der vom Ausland angesparten Dollars.
Das ist ein effektiver Wohlstandstransfer der Welt an die USA, vergleichbar einem imperialen römischen Tributsystem.
Sieht man sich die Zahlen an, so wird das Ausmaß dieses Transfers deutlich. Seit 1971 hat sich das Leistungsbilanzdefizit kumuliert auf fast 20 Billionen Dollar aufsummiert.

Dieses Sparschwein des Restes der Welt trägt aber keine Zinsen, es wird jedes Jahr durch die Inflation in den USA angeknabbert und der Kaufkraftverlust entspricht einem Wohlstandstransfer in die USA, weil diese für die gleiche Menge Dollars immer weniger Waren liefern müssten, wenn das Ausland diese nachfragen würde. Und Inflation ist in den USA des Fiatgeld-Zeitalters ein Dauerzustand.

Wendet man diesen Kaufkraftverlust auf das im jeweiligen Jahr angesparte Dollarvermögen des Rests der Welt an, so kann man die jährlichen Kaufkraft-Transfers an die USA berechnen:

Dieser gewaltige Transfer steigt nicht nur Jahr für Jahr im Trend an, weil die Defizite der USA natürlich unter diesem Anreizsystem nie abnehmen, sondern sie entlasten den Bundeshaushalt der USA in gleichem Maße. In den letzten Jahren hat der Transfer erstmals die Billionengrenze überschritten und dürfte mit dem nächsten Inflationsschub, der angesichts der Verschuldung des Bundeshaushaltes der USA unvermeidlich ist, wieder deutlich über diese Marke rutschen.
Das ist der Grund, warum die BRICS, die den größten Teil dieser Rechnung mit Ihren Leistungsbilanzüberschüssen bezahlen müssen an einer neuen, Gold-gedeckten Handelswährung arbeiten, die den Dollar als Weltleitwährung ablösen soll. Es sind die massiven Goldkäufe der BRICS in Vorbereitung dieser neuen Währung, die den Preis von Gold, und zuletzt auch von Silber so massiv in die Höhe getrieben haben. Warum machen die BRICS das, obwohl man als Überschussland in einem Goldstandard gar keine Reserven braucht? Ganz einfach: Wenn der Goldstandard im internationalen Handel sich durchsetzt, dann muss der Westen, also die USA und Europa ihre Defizite in Gold bezahlen. Zum aktuellen Kurs wären das fast 7.000 Tonnen Gold pro Jahr. Der Westen hat aber nur 23.000 Tonnen Währungsgold in den Kellern seiner Zentralbanken, er müsste also von der Substanz leben oder eben Gold nachkaufen. Eine Nachfrage von 7.000 Tonnen übersteigt die weltweite Produktion um etwa 100%, würde also den Goldpreis auf nie gesehene Höhen katapultieren.
Gleichzeitig würde das Twin-Defizit der USA, im Bundeshaushalt und in der Leistungsbilanz, unfinanzierbar werden. Weder der Militär- noch der Geheimdiensthaushalt wären noch in der gewohnten Höhe möglich.
Damit würden drei der 5 Säulen der globalen Hegemonie der USA einstürzen. Welche Säulen sind das?
Die Leitwährungsfunktion des US-Dollar wie beschrieben
Das Militär, welches die Interessen durchsetzt
Die geheimdienstliche Dominanz beim Abhören des Planeten
Englisch als Weltsprache und
Das angelsächsische Recht als Welthandelsrecht
Diese Säulen bedingen und stützen einander. Ihr Haupttraglast liegt aber auf dem Dollar als Leitwährung. Sie sehen: Präsident Trump hat nicht übertrieben.

Was ist nun die Strategie der USA, um die Leitwährungsfunktion zu verteidigen bzw. wenigstens eine Galgenfrist von einigen Jahren herauszuholen, die kritisch ist, weil das die Jahre sind, in denen der Planet neu aufgeteilt wird?
Die Antwort heißt Petrodollar.
Die jährliche Produktion von etwa 28 Milliarden Barrel Rohöl erbringt einen Ertrag von mehr als 2 Billionen Dollar pro Jahr. Auch auf globaler Ebene ist das eine gewaltige Summe. Gelingt es den USA, sicherzustellen, dass dieses Öl nur und ausschließlich mit US-Dollars bezahlt und keine andere Währung angenommen wird, dann werden alle am Welthandel teilnehmenden Länder gezwungen, in Summe Überschüsse in der Leistungsbilanz in dieser Größenordnung zu erwirtschaften und dafür auch US-Dollars anzunehmen, alle, außer den USA, denn die dürfen die Dollars auch weiterhin drucken.
Der Deal ist dabei: Länder, die Dollars für Öl verlangen, also am Petrodollar-System teilnehmen erhalten den militärischen Schutz der USA, die anderen sind in dem Stück eher die Opfer.
Dieses Petrodollar-System ist also, wenn man es global durchsetzen kann eine gewaltige Waffe im Kampf um die monetäre Vorherrschaft. In der Vergangenheit haben die USA das System mit Bestechung, Bündnissen und notfalls mit Krieg gegen alle Angriffe verteidigt. Das war so in Irak, in Libyen und andernorts. Der Versuch, aus dem System auszubrechen hat sowohl Saddam Hussein als auch Gaddafi das Leben gekostet. Bitte verstehen Sie das nicht falsch: Es geht nicht darum das Öl zu stehlen. Es geht nur um die Frage, wie es bezahlt wird.
Und hier sehen wir, dass die Strategie der Trump-Administration komplett aufgeht: Mit den GCC-Staaten haben die USA ein Bündnis seit den späten Tagen des 2. Weltkrieges, Venezuela, das auf den größten Rohölreserven der Welt sitzt und sich von China in Yuan bezahlen lassen wollte, hat die Lektion gerade gelernt, dass es im Hinterhof der USA seit der Verkündung der Monroe-Doktrin 1823 nur einen Platzhirschen gibt, der Iran ist das letzte fehlende Glied in der Kette der Petrodollar-Staaten, die die USA wie eine Perlenkette ihrer Geostrategie aufgereiht haben. Sehen wir uns die Zahlen an:

Sie sehen hier: Iran hat mit 12% der weltweiten Reserven eine Schlüsselfunktion bei der Durchsetzung des Petrodollars. Nach diesem Krieg werden die USA mindestens 81,4% der weltweiten Reserven kontrollieren, wahrscheinlich aber eher deutlich über 90%, denn die kleinen Länder, die hier unter sonstige Laufen sind tendenziell eher US-Klienten, als das sie es nicht wären.
2. Wie lange dauert dieser Krieg und wie wird er ausgehen?
Es geht hier um einen Eckpfeiler Überlebensstrategie der USA in einer multipolaren Welt. Es ist vollkommen klar, dass Dinge wie Völkerrecht hier in der Rangfolge in den USA im Vergleich dazu ganz unten rangieren. Dieser Krieg wird mit einem Sieg der Supermacht USA enden, egal was es kostet und wie lange es dauert. Aber es wird nicht lange dauern, denn die geheimdienstliche und waffentechnische Überlegenheit der USA ist turmhoch. Dass das verbündete Israel dabei auch seinen Wunsch erfüllt bekommt, den Iran von einem Feind zu einem Verbündeten umzuwandeln, ist dabei Beifang, aber nicht Kriegsraison. Alles andere sind in diesem Fall Theorien mit wenig Fakten dahinter, die sich unter Anti- zionisten oder Antisemiten gut anhören, aber wenig Substanz vorzuweisen haben, jedenfalls im Vergleich zu den hier gelieferten harten Zahlen.
Und: Der Iran steht ohne Verbündete da. Russland hat bereits abgewunken mit dem bemerkenswerten Satz von Kremlsprecher Peskow: „Der Beistandsvertrag wurde von Khamenei unterschrieben. Und, wo ist er jetzt?“ Und auch China wird nicht in den Krieg ziehen, ebenso wie es keine Hyperschallraketen liefern wird, die einen US- Flugzeugträger versenken können, denn China weiß: Das wäre der Casus Belli mit den USA und China will einiges, aber mit Sicherheit keinen Krieg, der nicht mit 100%iger Sicherheit zu seinen Gunsten ausgeht. Und da man weiß, dass man soweit noch nicht ist, wird man stillhalten, denn man hat seinen Sun Tzu gelesen und weiß, was strategische Geduld ist.
Was für den Iran im Moment noch von Vorteil scheint, ist die Asymmetrie der Schmerzakzeptanz. Die weitgehend enthauptete Führung des Mullah-Regimes, oder besser: Was noch von ihr übrig ist, hofft durch wildes Um-sich-schlagen auf Israel und alle arabischen Nachbarn, dem Gegner Schmerzen zuzufügen, die ihn zum Rückzug zwingen.
Das wird aus mehreren Gründen als Strategie nicht aufgehen: Erstens erleiden die USA den Schmerz nicht selbst, sondern ihre Proxys am Golf, die keine Wahl haben und die auch wesentlich härter im Nehmen sind und zweitens führt das dazu, dass es zum ersten Mal in der Geschichte ein de Fakto Bündnis zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn gibt. Zugleich verzettelt der Iran seine Kräfte und verliert eine Schlacht am Himmel, die er nicht mehr kompensieren kann.
Daher hier meine klare Prognose: Der Krieg wird nicht länger als 4 bis 6 Wochen dauern, wahrscheinlich eher kürzer als länger. Schauen wir mal, wie meine Prognose altert. Was sie stabilisieren dürfte ist der Umstand, dass die USA ihre eigentliche waffentechnische Überlegenheit noch gar nicht ausgespielt haben. Die Stealth-Bomber, die uns als Science-Fiction verkauft werden, wurden in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt und gebaut. Wer glaubt, die Skunk- Works der USA in Area51 und andernorts hätten seitdem 45 Jahre geschlafen, dem ist nicht zu helfen. Für das Mullah Regime gilt daher mit 99% Wahrscheinlichkeit: „Isch over“ (Wolfgang Schäuble).
Auch die Rohölmärkte gehen wohl eher nicht davon aus, dass der Krieg extrem lange dauert, denn sonst wäre der Anstieg deutlich stärker ausgefallen. Wir haben zwar – was logisch ist vor dem Hintergrund der Unsicherheiten insbesondere beim Transport durch die Straße von Hormus – einen deutlichen Anstieg zu verzeichnen, aber der Markt ist weit entfernt davon Panik zu signalisieren.

3. Was bedeutet das für die Entwicklung und die Optionen bei der Kapitalanlage?
Die Rückeroberung der Petro-Dollar-Dominanz durch Amerika bedeutet, dass Öl und damit fossile Brennstoffe schon aus geostrategischen Gründen Energieträger Nummer eins auf der Welt bleiben, und zwar auf absehbare Zeit. Das Thema Klima ist damit tot und begraben. Wer das nicht kapiert, tut es zu seinem Schaden.
Es bedeutet weiterhin, dass das Ringen um die Weltleitwährung länger dauert und dass die BRICS diesen Zeitraum nutzen werden, um strategisch ihre Gold- und Silbervorräte aufzustocken. Dort werden in den nächsten Jahren erhebliche Anteile ihrer Leistungsbilanzüberschüsse investiert werden, um sie erstens vor Inflation zu schützen und zweitens den erwartbaren Gewinn mitzunehmen, wenn die von Trump jetzt erkämpfte Galgenfrist der Dollardominanz in einigen Jahren abläuft.
Das heißt: Die Performance von Gold und Silber bleibt stark während das Ringen um die Leitwährung weitergeht.
Beim Thema Aktien bleibt die Strategie ebenfalls wie gehabt: Rohstoffe, fossile Energieträger, Uran, Big Tech, Weltraumtechnik, Robotik und KI als Königsweg aus der Schuldenfalle der USA, denn auf anderem Wege sind die Produktivitätssprünge nicht zu erreichen, die dafür notwendig sind.
Das dürfte auch der Grund sein, warum mein publiziertes Aktienportfolio die aktuelle geopolitische Krise bisher nicht nur ohne Kratzer bei geringer Volatilität überstanden hat, sondern sogar noch zulegen konnte.
Es bleibt also spannend. Wir bleiben am Ball und werden Sie auch in den nächsten Wochen mit spannenden Analysen über die wirtschaftlichen Hintergründe geopolitischer Entwicklungen auf dem Laufenden halten.
Bis dahin bin ich ihr
„Goldbug“
Dr. Markus Krall

